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  • AutorenbildAndrea Wege

Was tun bei Schulterschmerzen (Subakromiales Schmerzsyndrom) - Ursachen, Symptome, Tipps


Schulterschmerzen_beheben
Schulterschmerzen

Wenn das Anheben des Armes über Kopf schmerzt

Subakromialsyndrom (SAS) / Subakromiales Schmerzsyndrom (SAPS)

Schulterschmerzen gehören, laut der Auswertung von Statistika, zu den dritthäufigsten Beschwerdebildern in Deutschland. Beim Subakromialsyndrom (alternativ: subakromiales Schmerzsyndrom) handelt es sich um eine Weichteilerkrankung der Schulter, welche in der Regel mit schmerzhaften Funktionseinschränkungen verbunden ist.


Grundlage des Subakromialsyndroms ist eine Verengung des Bereiches zwischen Oberarmkopf und Schulterdach und der damit einhergehenden Reizung bestimmter Strukturen. Häufig betroffen ist die lange Bizeps- und / oder die Supraspinatussehne. In diesem Zusammenhang existieren überlappende Bezeichnungen wie Subakromiales Impingementsyndrom (SIS) als auch Schulterimpingement oder subakromiales Engpasssyndrom, welche unter Fachleuten regelmäßig diskutiert werden.


Aufbau_des_Schultergelenkes
Abb.1: Aufbau des Schultergelenkes, Kirchmeyer (Quelle: http://praxis-kirchmeyer.de/Schwerpunkte/Schultergelenk/desktop/, abgerufen am 18.08.2023)

Welche Symptome können bei einer Verengung auftreten?

Häufig sind die Symptome anfangs bewegungsabhängig. Der Prozess beginnt gewöhnlich mit leichten Schmerzen im Schulterbereich, welche sich bei ausbleibender Behandlung stetig steigern. In der Regel ist vor allem das seitliche Heben des Armes zwischen 60 – 120° schmerzhaft (Painful Arc – schmerzhafter Bogen). Verstärkt wird der Schmerz durch gleichzeitige Innenrotation des Armes. In diesem Bereich verengt sich natürlicherweise der Raum zwischen Oberarmknochen und Schulterdach und verstärkt damit die bestehende pathologische Kompression. Auch das Anheben des Armes nach hinten oder vorn kann Schmerzen hervorrufen. So können beispielsweise alltägliche Dinge, wie das Anziehen einer Jacke, das Geschirreinräumen oder Fensterputzen ebenso wie die Ausführung verschiedener Sportarten wie Volleyball oder Tennis problematisch sein. Im weiteren Verlauf können auch Ruhe- bzw. Nachtschmerzen auftreten und sogar bis in den Ellenbogen ausstrahlen. Häufig ist ein Liegen auf der betroffenen Seite schwierig.


Wie ist die Schulter aufgebaut und welche Strukturen können an Schulterschmerzen beteiligt sein?

Das Schultergelenk ist ein sehr komplexes System und wird gebildet durch den Oberarmkopf und der verhältnismäßig kleinen Gelenkfläche des Schulterblatts, welche den Oberarmkopf nicht vollständig umschließt. Es ist das Gelenk mit dem größten Bewegungsumfang unseres Körpers. Der Bandapparat des Schultergelenks ist in Relation zur Belastung gesehen nur schwach ausgebildet. Die Stabilität und die Positionierung sind somit stark abhängig von der umgebenden Muskulatur. Fluch und Segen zugleich. Die Führung, Zentrierung und Absicherung des Gelenkes erfolgt durch die sogenannte Rotatorenmanschette, einer Gruppe aus vier Muskeln, welche hauptsächlich zuständig ist für die Innen- und Außenrotation sowie für die Abduktion, dem seitlichen Anheben des Armes. Die Sehne des Muskels Supraspinatus, einem Muskel der Rotatorengruppe, sowie die lange Bizepssehne verlaufen zwischen Oberarmkopf und Schulterdach, weshalb diese Strukturen besonders gefährdet und somit hauptsächlich betroffen sind.


Beim Auftreten einer pathologischen, subakromialen Verengung, wird in der Regel primär an der Funktionalität der Rotatorenmanschette gearbeitet. Wichtig zu bedenken: Die Rotatorenmanschette ist vielleicht nur ein Teil des Puzzles. Vor allem scheint dies der Fall, wenn die Symptomatik auch nach längerer Arbeit in diesem Bereich fortbesteht. Auch andere Strukturen und Muskeln haben einen Einfluss auf die Schulter. So können sich neben weiteren Muskeln des Schultergelenkes ebenfalls die Muskeln des Schultergürtels, teils sogar Bereiche der Armmuskulatur, eine eingeschränkte Beweglichkeit der Brustwirbelsäule oder Kompressionen im Halswirbelsäulenbereich auf die Schultergesundheit auswirken. Dies verdeutlicht die Wichtigkeit, bei Problematiken im Schulterbereich genau hinzuschauen. Neben einer ausführlichen Anamnese ist ein detailliertes Testverfahren unabdingbar. Orthopädische Tests wie der Painful Arc, der Neer-, Hawkins-Kennedy- oder der Jobe-Test, sowie verschiedene Muskelfunktions-, Beweglichkeits-, Kraft- und Funktionstest geben mehr Aufschluss über die individuelle Thematik. Unterstützen können je nach Situation auch bildgebende Verfahren.


Was sind häufige Ursachen für ein Engpass Syndrom und den damit einhergehenden Schmerzen?
  • Fehlstellungen der Wirbelsäule, häufig durch mangelnde Bewegung und ausdauerndem Sitzen mit Rundrücken & eingefallenen Schultern, können zu biomechanischen Veränderungen der Schulter führen

  • Knöcherne Verwachsungen oder ein Sporn unterhalb des Schulterdachs

  • Verkalkungen im Bereich der Schultersehnen

  • Überbeanspruchungen durch Übertraining oder viel Arbeit über Kopf

  • Muskuläre Dysbalancen durch einseitiges- oder fehlendes Training sowie durch Nervenkompressionen

  • Verletzungen…

Wie könnte ein Fahrplan zur Behandlung eines Engpasssyndroms aussehen?
  • Vermeidung von Triggern

  • Schaffung von neuem Bewegungsraum im Schultergelenk

  • Aufhebung von Kompressionen (Bsp. HWS)

  • Wiederherstellung der Beweglichkeit beteiligter Strukturen (Bsp. HWS, BWS)

  • Isoliertes Training im „schmerzfreien“ Bereich (auf einer Schmerzskala von 1-10 max. 3)

    • Ausgleich muskulärer Dysbalancen

    • Verbesserung der Trainingstechnik

    • Verbesserung Muscle-Mind-Connection

    • Desensibilisierung des zentralen Nervensystems

  • Progressive Steigerung der Belastung

  • Nach isoliertem Training Übergang zu komplexeren Übungen

Was kann präventiv getan werden, um Schulterproblemen vorzubeugen?

Arbeite an Deiner Haltung

Schaffe einen Ausgleich zu Deiner sitzenden Tätigkeit - Führe bewegte Pausen ein, in denen Du Deine Brustmuskulatur und Wirbelsäule streckst (Muskellängentraining der Brustmuskulatur und Streckung der BWS mithilfe von Tools wie Faszienrollen, Bändern etc.) Das Ziel sollte sein, der gebeugten Position entgegenzuwirken. Wir wissen alle, wie es laut Bilderbuch aussehen sollte, aber sind wir mal ehrlich: Wer sitzt schon den gesamten Tag gerade und aufrecht?


Trainiere ausgeglichen Zug- und Druckbewegungen und schenke Deiner Rotatorenmanschette mehr Aufmerksamkeit

Hole Dir, wenn möglich, Rat eines Experten und lass Dir einen individuell auf Deine Situation zugeschnittenen Trainingsplan erstellen.


Vermeide Übertraining

Steigere Deine Belastung sukzessive und gönne Deiner Muskulatur ausreichend Regenerationszeit.


Arbeite an der Stabilität Deiner Schulterblätter

Deine Schulterblätter haben einen großen Einfluss auf die Gesundheit Deiner Schultern. Gleitet Dein Schulterblatt nicht optimal über Deinen Brustkorb, was für das Heben des Armes erforderlich ist, ist auch die Stabilität und somit die Gesundheit Deiner Schultern gefährdet.


Leidest Du unter Schulterbeschwerden und suchst Unterstützung in dem Bereich? Dann melde Dich gern bei mir.




Literaturangaben:

Statistika, Rainer Radtke, 24.01.2022, Verteilung von Schmerz in Deutschland nach Körperregion und Geschlecht im Jahr 2017, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/896807/umfrage/verteilung-von-schmerz-in-deutschland-nach-koerperregion-und-geschlecht/ (letzter Abruf 18.08.2023)


M. Schünke, E. Schulte, U. Schumacher, M. Voll, K. Wesker (2022) 6. Auflage. Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem - Prometheus, S. 280-281



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